Warum haben wir das denn überhaupt gemacht? Also, warum sind wir jetzt Richtung Osten gefahren, wäre es nicht sinnvoller gewesen Richtung Cape Reinga in den Norden zu fahren? Das wäre es, das stimmt! Allerdings haben wir „damals“ (vor ein paar Tagen) in Dargaville einen ersten Erfolg gelandet. Denn Steve, der online für Wwoofers geworben hat, bietet uns für unsere Arbeit Unterkunft und wir können auch noch ein wenig extra arbeiten und ein wenig Geld dazu verdienen. So zumindest der Plan!
Wohnen tut er südlich von der Hafenstadt Opua, deshalb der Ostschlenker.
Am Morgen nach Moerewa fahren wir also Richtung Opua, aber nicht ohne einen Stopp in Kawakawa einzulegen. Hier hat nämliche eine in Deutschland sehr bekannte Person, der Künstler Friedensreich Hundertwasser, die letzten dreißig Jahre seines Lebens in einer Hütte ohne Elektrizität verbracht. Dem Ort hat er, und das gilt hier eigentlich als Hauptattraktion, wunndervolle öffentliche Toiletten gestaltet – die wahrscheinlich schönsten in ganz Neuseeland! Deshalb haben wir natürlich genau hier, für unsere morgentliche Kosmetikpause angehalten und uns frisch gemacht.

Außerdem haben wir, da wir uns erst um 13 Uhr mit Steve treffen vorgenommen die Waiomio Caves zu besichtigen. Achtung: Bitte nicht mit den berühmten Waitomo Caves verwechseln.
Die Caves sind im Prinzip nichts anderes als riesige Spalten im Erdboden, in denen Glühwürmchen leben.
Glühwürmchen gibt es übrigens nur in Australien und Neuseeland, somit wollten wir uns die Höhlensysteme in Privatbesitz nicht entgehen lassen!

Unser Guide ist zwar erst 12 oder 13, kann aber alle Fragen beantworten und ist voll auf der Höhe, was die Caves betrifft.
Bewertend können wir einfach nur sagen: Amazing, awesome und alle positiven Adjektive, die es gibt, leider mit der Ausnahme, dass man es leider nicht schafft die grün-blau leuchtenden Gestalten zu fotografieren… man muss sie einfach erleben!
Anschließend fahren wir dann endlich nach Opua, allerdings auf einer Route mitten durch den Opua Forest, die sehr viel Spaß gemacht hat zu durchkurven!
In Opua können wir dann den wunderbaren Hafen bewundern, das war es dann aber auch schon, denn viel mehr als den Hafen und die Autofähre zur ehemaligen Hauptstadt Russel gibt es leider auch nicht zu bewundern.

So suchen wir uns einen schönen Aussichtspunkt und machen uns bei schönstem Sonnenschein unser dosiges Lieblingsmittagessen.
Das Treffen mit Steve klappt dann sehr gut. Er existiert und hat tatsächlich Arbeit Wwoofing-Arbeit für uns, das ist doch schonmal was!
Sein Haus ist nur ein wenig schwer zu finden, weil es sich auf einer Bergspitze befindet, um die ein großer Steinbruch Löcher ins Terrain gerissen hat.
Es war also schon ein wahrliches Erlebnis, erstmal überhaupt hochzukommen…
Der Schotterweg zu seinem Haus treibt unseren frontangetriebenen Van an seine Grenzen, im zweiten Anlauf kommen wir den steilen Driveway dann doch hoch. Puhhh…
Von oben ist der Ausblick auf die Umgebung und bis zum Wasser nicht in Worte zu fassen.

In seinem improvisiert aussehenden Haus, das eher wie eine Mischung aus Abstellkammer und Privatschrottplatz wirkt, scheint er jede Menge Wwoofer aufzunehmen…
So sind bei unserem Eintreffen noch eine Handvoll Leute da, die nach einem kleinen Rundgang auf dem Gelände einfach nicht mehr aufzufinden waren.
Wo sie hin sind konnte keiner beantworten. Es schien aber auch keinen zu interessieren. Frei nach der Devise: „Schwund gibt es immer!“
Gary, Raiwan und Steve sind also letztlich noch übrig… und natürlich Jacqueline!
Meine Güte, die konnte einem auf den Keks gehen…das sagen wir, ohne es böse zu meinen, es war einfach so!
Sie ist auch Backpackerin aus Deutschland (was ein Zufall), eigentlich ganz nett, aber labert einem echt nen Knopf an die Backe und zwar mit Dingen, die einen nun wirklich nicht interessieren.
Von Problemen mit ihrem Mobilfunkanbieter über wie sehr sie doch Nutella mag bis hin zu Sätzen wie „Und dann hat meine Freundin Lilly – aber die kennt ihr ja nicht – aber sie ist wirklich meine beste Freundin, nur zieht sie sich komisch an – das war witzig!“ hätte man sich auch vor eine Wand stellen können und genauso viele Informationen bekommen.
Gary ist gebürtiger Ire, wurde aber in England geboren und kam vor Jahren nach Neuseeland und zwar mit „nothing“ wie er uns mit seinem irischen Akzent immer wieder erzählen wollte, circa fünf Mal am ersten Abend…
Mittlerweile kauft er aber eine Yacht via Ratenzahlung und arbeitet seit 3 Monaten bei Steve, beschäftigt als seine rechte Hand bzw. Sklaventreiber, wie wir am Morgen zu spüren bekommen haben…
Raiwan ist Maori vom Waikato-Stamm, hat aber leider keine Frontzähne mehr, macht dafür aber tollen Tee, der war echt gut.
Sie ist eigentlich sehr sehr nett, wirkt aber eher ruppig und ein wenig verwahrlost…
Am ersten Tag wird aber erstmal nicht gearbeitet! Warum auch, dafür wird erstmal das Leben genossen und sich ein wenig mit allen unterhalten. Steve hatte eine Tauchschule und unglaubliche Fotos von Angelerfolgen und Ausflügen in wunderschöne Unterwasserwelten im Schrank stehen. Mittlerweile hat er aber das Steinbruchgrundstück gekauft und will sich nach und nach eine Farm aufbauen, mit frischem Gemüse, Obst und Tieren. Irgendwann einmal…
Zum Abendessen soll es selbstgefangenen „Snapper“ geben, wie das Monster im Kühlschrank von Einheimischen auch genannt wird. Zunächst wird aber erstmal gesoffen. Gary trinkt New Zealand Lager Beer, also das billigste Gesöffs was es gibt, und davon 12 Dosen…VOR dem Abendessen. Raiwan bleibt bei Bourbon mit Cola und Steve trinkt alles gemischt.
Das ist schon ne lustige Bande, an die wir hier geraten sind…
Vor dem Essen fahren wir dann noch zur English Bay, die an sich zwar nicht „gorgeous“ ist, der Ausblick auf die Bay of Islands ist es dafür umso mehr. Nico macht mit Gary einen Ausflug auf seine Yacht und Robert hat an Land ein tolles Gespräch mit Steve.

Achja: Raiwan und Gary und waren für zehn Jahre verheiratet, deswegen gibt es gelegentlich mal… nennen wir es „Differenzen“…
Zurück am Haus wird das Essen vorbereitet, geräucherter Snapper (Fisch) und geräucherte Miesmuscheln, einfach genial! Dazu ein Rohfischsalat und Brot.
Ein einmaliges Festmahl auf 5-Sterne-Niveau!

Leider gab es das Essen erst um 23 Uhr, was uns ein wenig fertig gemacht hat, weil wir fast zwölf Stunden vorher nur einen Baked Beans Snack hatten.
Dafür hat sich das Warten aber mehr als gelohnt!
Nach einem Bier für uns geht es dann schlafen, Robert im Caravan und Nico im Haus.
Erster Abend: Daumen hoch!
Der nächste Tag beginnt, für uns relativ spät, denn wir sind es einfach nicht mehr gewohnt so lange aufzubleiben, genauso wie Bier zu trinken.
Gary macht uns deswegen die Hölle heißt - nüchtern ist der Ire echt nicht zu ertragen. Nach dem Frühstück müssen wir dann ein Loch für einen Wassertank ausheben; Gary steht daneben und lehrt uns Maori-Sprache, wir sollen schließlich lernen gleichzeitig zu arbeiten und zu reden. Anschließend muss noch eine stachelige Hecke gerodet werden – diese Arbeit geht unter die Haut…wortwörtlich…
Als auch das erledigt ist, haben wir um 13 Uhr Feierabend. Unser Plan ist erstmal in die wundervolle Urlaubsstadt Paihia zu fahren und ein wenig den Ort auszukundschaften und uns ins WLAN der Bibliothek reinzuhacken. Weiterhin wollen wir gerne nach Arbeit suchen, aber nicht so ungeduscht wie wir sind. Das Schwefelwasser der heißen Quellen tut immer noch sein Wunderwerk an unserer Haut!
Aber man kann ja mal arbeitstechnisch vorsondieren!
Der Tag wurde sogar ein voller Erfolg, aber dazu im nächsten Artikel mehr!!
Zurück bei Steve darf man unseren Genossen wieder beim heiteren Alkoholkonsum zuschauen, na hurra. Seit heute ist auch Lukas dabei - am Namen kann man unschwer erkennen: auch er ist deutsch!
Zum Abendessen gibt es dann einen Eintopf aus knochigen Fleischstücken, halbierten Karotten und faustgroßen Salatköpfen, alles irgendwie nicht ganz liebevoll zerkleinert und in einem aufgeschnittenen Bierfass zubereitet.
Dagegen ist Do-it-yourself-Ikea gar nichts!
Der Geschmack war aber ganz in Ordnung. Außerdem haben wir dann zum Abend ein wirklich interessantes Gespräch mit Steve über Maori- Kulturen und das Leben zusammen mit den Pakeha (nicht-maorischen Menschen).
Trotz der tollen Abende steht für uns aber fest: wir verlassen Steve so schnell wie möglich! Die Arbeit macht einfach keinen Spaß, vor allem mit Gary und außerdem bekommen wir für drei Arbeitsstunden nur Unterkunft und kein fließendes (nicht mal kaltes) Wasser. Für das Essen berechnet er uns dann wöchentlich $50. Der Deal gefällt uns nicht und so wollen wir sobald wie möglich nach Paihia weiterfahren.
Am nächsten Morgen wird dann noch mal fleißig gearbeitet, die Erde muss aufgebrochen werden und Gary ist dabei wieder top gelaunt. Von der Zauberformel „Weniger Alkohol = weniger Kater“ hat er anscheinend auch noch nichts gehört… Außerdem sollen wir dann noch beim mulchen helfen, was eigentlich ganz in Ordnung ist und die Arbeit ist schnell erledigt.
Nach einem kreativen Lunch (dem Essen vom Vorabend) geht es dann auf nach Paihia, aber nicht ohne mit Steve über seine Konditionen zu diskutieren; er windet sich aber gut aus allem heraus. Letztlich lassen wir ihm $24 da und verduften nach Paihia… Freiheit!
Jetzt nur nicht die Klippe vor dem Steinbruch runterfahren…